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7 Systeme für kleine Betriebe, die laufen, während Sie schlafen

Terminbuchung, Nachfassen, Mahnwesen, Bewertungen: Sieben Abläufe, die nachts weiterlaufen können, und in welcher Reihenfolge Sie sie aufbauen sollten.

Joshua Stark 22. September 20268 Min. Lesezeit

Ein System, das läuft, während Sie schlafen, ist ein Ablauf, der ohne Ihr Eingreifen den nächsten Schritt auslöst: Eine Anfrage bekommt eine Antwort, ein Angebot wird nachgefasst, eine offene Rechnung wird erinnert. Für kleine Betriebe lohnen sich vor allem sieben solcher Systeme, und keines davon braucht teure Software. Entscheidend ist die Reihenfolge, in der Sie sie aufbauen, und die ehrliche Frage, was davon in Ihrem Betrieb wirklich klemmt.

Wir sehen in unseren Projekten mit Handwerksbetrieben, Praxen und Kanzleien immer wieder dasselbe Muster: Der Inhaber ist die Schnittstelle für alles. Jede Anfrage, jede Rückfrage, jede Zahlungserinnerung läuft über seinen Kopf. Das funktioniert, solange der Betrieb klein ist und der Inhaber gesund. Es hört auf zu funktionieren, sobald beides nicht mehr zutrifft.

Was ein „System“ in diesem Zusammenhang bedeutet

Mit System meinen wir hier keine Software. Gemeint ist eine feste Abfolge aus Auslöser, Handlung und Ergebnis, die jedes Mal gleich abläuft. Software hilft dabei, den Ablauf zuverlässig zu machen, aber der Ablauf muss zuerst auf Papier stehen.

Ein Beispiel: „Wenn über die Website eine Anfrage eingeht, bekommt die Person innerhalb von fünf Minuten eine Bestätigung mit den nächsten Schritten, und im Kalender der Bürokraft erscheint eine Aufgabe für den Rückruf am nächsten Werktag.“ Das ist ein System. „Wir melden uns zeitnah“ ist keins.

Drei Fragen helfen, einen Ablauf als System zu beschreiben:

  • Was löst ihn aus? Ein Formular, ein Datum, ein Status im Auftrag.
  • Was passiert dann, in welcher Reihenfolge? Jede Handlung einzeln aufschreiben.
  • Woran erkennen Sie, dass er funktioniert hat? Eine gebuchte Terminzeit, eine bezahlte Rechnung, eine neue Bewertung.

Die sieben Systeme im Einzelnen

1. Die Terminbuchung, die ohne Telefon auskommt

Das erste System ist oft das einfachste: Interessenten buchen sich selbst einen Termin, ohne dass jemand ans Telefon muss. Für Praxen ist das längst üblich, für Handwerksbetriebe, Steuerkanzleien und Beratungen noch nicht.

Sie brauchen dafür ein Buchungswerkzeug, das mit Ihrem Kalender verbunden ist, feste Zeitfenster und eine klare Beschreibung, wofür der Termin da ist. Ein Dachdecker bietet zum Beispiel keine freie Terminwahl für Baustellen an, wohl aber ein fünfzehnminütiges Telefonat zur Vorklärung, zweimal pro Woche in festen Fenstern.

Wichtig ist, was vor dem Termin passiert. Eine kurze Abfrage im Buchungsformular (Art des Vorhabens, Ort, gewünschter Zeitraum) spart Ihnen die ersten zehn Minuten jedes Gesprächs. Und eine automatische Erinnerung am Vortag reduziert die Termine, zu denen niemand erscheint.

2. Die Anfrage, die sofort eine Antwort bekommt

Viele Anfragen gehen nicht verloren, weil der Betrieb schlecht arbeitet, sondern weil die Antwort zu spät kommt. Wer abends um 22 Uhr ein Formular ausfüllt, fragt oft parallel bei zwei, drei anderen Betrieben an.

Das System dahinter hat drei Teile:

  1. Das Formular schreibt die Anfrage in eine zentrale Liste oder ein CRM, nicht nur in ein Postfach.
  2. Die anfragende Person erhält sofort eine Bestätigung, die ehrlich sagt, wann sie von Ihnen hört und was als Nächstes passiert.
  3. Für Ihr Team entsteht automatisch eine Aufgabe mit Frist.

Die Bestätigungsmail ist dabei kein Pflichttext. Sie ist Ihr erster Eindruck. Schreiben Sie sie so, wie Sie am Telefon sprechen würden, nennen Sie einen konkreten Ansprechpartner und beantworten Sie die zwei, drei Fragen, die fast jeder stellt. Wie Sie Formular, Kalender und CRM so verbinden, dass keine doppelte Arbeit entsteht, beschreiben wir ausführlicher im Artikel So greifen CRM, Kalender, Angebote und Buchhaltung ineinander.

3. Das Nachfassen nach dem Angebot

Hier liegt in vielen Betrieben das meiste Geld. Angebote werden sorgfältig kalkuliert, verschickt und dann vergessen. Niemand fragt nach, weil niemand zuständig ist oder weil es sich aufdringlich anfühlt.

Ein Nachfass-System legt fest, wann und wie nachgefragt wird. Eine einfache Variante:

ZeitpunktHandlungWer
Tag 3 nach VersandKurze Mail: Ist das Angebot angekommen, gibt es Fragen?automatisch
Tag 7Anruf durch die Person, die das Angebot erstellt hatTeam
Tag 14Mail mit einer konkreten Frage zur Entscheidungautomatisch
Tag 30Angebot als „offen“ oder „verloren“ markieren, mit GrundTeam

Der letzte Schritt wird oft übersehen. Wenn Sie festhalten, warum Angebote nicht angenommen werden, lernen Sie nach einem halben Jahr mehr über Ihre Preise und Ihre Zielgruppe als aus jedem Seminar. Automatisieren lässt sich die Erinnerung, nicht das Gespräch. Der Anruf an Tag 7 bleibt Handarbeit, und das ist richtig so.

4. Die Bitte um eine Bewertung

Zufriedene Kunden schreiben selten von sich aus eine Bewertung. Sie tun es, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt freundlich bittet und ihnen den Weg leicht macht.

Das System: Sobald ein Auftrag im System als abgeschlossen markiert ist, geht nach ein bis drei Tagen eine kurze Nachricht mit dem direkten Link zu Ihrem Google-Unternehmensprofil raus. Bei Handwerksbetrieben funktioniert es oft besser, wenn der Monteur beim Abschluss vor Ort schon ankündigt, dass diese Nachricht kommt.

Zwei Grenzen sollten Sie kennen. Bewertungen dürfen nicht gegen Rabatte oder Geschenke eingetauscht werden, und Sie sollten nicht nur die Kunden fragen, von denen Sie sicher ein gutes Urteil erwarten. Beides verstößt gegen die Richtlinien von Google und kann Ihrem Profil schaden. Bei Praxen und Kanzleien kommen berufsrechtliche Besonderheiten dazu, die Sie vorher mit Ihrer Kammer klären sollten.

5. Rechnung und Zahlungserinnerung

In vielen kleinen Betrieben schreibt der Inhaber die Rechnungen abends selbst, und Mahnungen werden verschickt, wenn jemand zufällig in die offene-Posten-Liste schaut. Das ist ein teures Muster, weil offene Forderungen Liquidität binden und das Nachhaken mit jedem Monat unangenehmer wird.

Gängige Buchhaltungsprogramme für kleine Betriebe können Zahlungserinnerungen nach festen Fristen verschicken. Legen Sie einmal fest:

  • nach wie vielen Tagen nach Fälligkeit die erste freundliche Erinnerung rausgeht,
  • wann die erste Mahnung folgt,
  • ab wann ein Mensch entscheidet, wie es weitergeht.

Die Texte schreiben Sie einmal in Ruhe, statt jedes Mal verärgert. Und Stammkunden, bei denen Sie eine persönliche Ansprache wollen, nehmen Sie bewusst aus der Automatik heraus.

6. Die Wissensablage, die Rückfragen beantwortet

Dieses System läuft nicht nachts, aber es arbeitet, wenn Sie nicht da sind. Gemeint ist ein zentraler Ort, an dem Ihr Team die Antworten auf wiederkehrende Fragen findet: Wie wird ein Aufmaß dokumentiert? Welche Unterlagen braucht ein neuer Mandant? Wie läuft die Materialbestellung?

Viele Inhaber scheuen diesen Schritt, weil sie an dicke Handbücher denken. Es reicht, mit den fünf Fragen anzufangen, die Ihnen in der letzten Woche am häufigsten gestellt wurden. Für jede Frage eine Seite, mit einer Checkliste und bei Bedarf einem kurzen Bildschirmvideo. Mehr dazu, wie solche Arbeitsanweisungen tatsächlich gelesen werden, finden Sie in der Ablauf-Vorlage.

7. Der Wochenbericht, der montags im Postfach liegt

Das siebte System sorgt dafür, dass Sie wissen, wo Ihr Betrieb steht, ohne selbst Zahlen zusammenzusuchen. Jeden Montagmorgen liegt ein kurzer Bericht mit einer Handvoll Kennzahlen im Postfach: neue Anfragen, verschickte Angebote, angenommene Angebote, offene Rechnungen, Auslastung.

Die meisten CRM- und Buchhaltungsprogramme können solche Berichte automatisch erstellen oder zumindest exportieren. Wichtiger als das Werkzeug ist die Auswahl der Zahlen. Nehmen Sie nur solche, bei denen Sie wissen, was Sie tun würden, wenn sie sich verändern. Eine Zahl, auf die Sie nie reagieren, ist Dekoration.

Welche Werkzeuge Sie dafür brauchen

Für die sieben Systeme brauchen Sie weniger Software, als viele Anbieter nahelegen. In den meisten kleinen Betrieben reichen vier Bausteine: ein Kalender mit Buchungsfunktion, ein einfaches CRM oder eine Branchensoftware, in der Anfragen und Angebote zusammenlaufen, ein Buchhaltungsprogramm mit Mahnfunktion und eine gemeinsame Ablage für Anleitungen und Dokumente.

Viele dieser Funktionen stecken bereits in Programmen, die Sie heute nutzen, oft ungenutzt. Prüfen Sie deshalb zuerst, was Ihre vorhandenen Werkzeuge können, bevor Sie etwas Neues kaufen. Und wenn Sie neue Software brauchen, achten Sie darauf, dass die Programme Daten miteinander austauschen können. Ein System, das an einer Stelle abgetippt werden muss, läuft nachts eben doch nicht.

In welcher Reihenfolge Sie anfangen sollten

Sieben Systeme gleichzeitig aufzubauen, überfordert jeden kleinen Betrieb. Wir empfehlen, beim größten Engpass anzufangen, und der ist in jedem Betrieb ein anderer.

Eine grobe Orientierung:

  • Sie bekommen zu wenige Anfragen? Dann bringt Ihnen ein Mahnwesen wenig. Beginnen Sie mit Anfrage-Bestätigung und Bewertungen.
  • Sie bekommen genug Anfragen, aber zu wenige Aufträge? Dann ist das Nachfassen nach dem Angebot der erste Hebel.
  • Sie haben genug Aufträge, aber keine Zeit? Dann fangen Sie bei Wissensablage und Rechnungsstellung an.

Wenn Sie nicht sicher sind, wo Ihr Engpass liegt, hilft der kostenlose Engpass-Check. Und als Arbeitsgrundlage für den Aufbau haben wir das System-Starterpaket zusammengestellt, mit Checklisten für jeden der sieben Bereiche.

Was Systeme nicht leisten können

Ehrlicherweise gehört auch das dazu: Ein System ersetzt kein gutes Angebot und keine gute Arbeit. Wenn Kunden mit Ihrer Leistung unzufrieden sind, beschleunigt eine automatische Bewertungsanfrage nur die schlechten Bewertungen. Und wenn Ihr Preis nicht zum Markt passt, verschickt das Nachfass-System eben höflich Erinnerungen, die niemand beantwortet.

Dazu kommt der Datenschutz. Sobald Sie Kundendaten in Buchungs-, CRM- oder Mailwerkzeuge geben, brauchen Sie mit jedem Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag und sollten wissen, wo die Daten gespeichert werden. Das ist kein Grund, auf Systeme zu verzichten, aber ein Grund, die Auswahl nicht nebenbei zu treffen.

Ein gutes System macht einen funktionierenden Ablauf zuverlässig. Einen schlechten Ablauf macht es nur schneller.

Wer seinen Betrieb Schritt für Schritt auf solche Systeme stellen will, ohne alles allein zu tun, findet im Gruppenprogramm STARK OS die Vorlagen und die wöchentliche Begleitung dafür. Ob Sie es allein oder mit Unterstützung angehen: Fangen Sie mit einem System an, bringen Sie es zum Laufen und nehmen Sie sich erst dann das nächste vor.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

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