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Warum das Google-Profil oft wichtiger ist als die Website

Viele Kunden rufen an, bevor sie Ihre Website überhaupt sehen. Warum das Google-Unternehmensprofil für lokale Betriebe oft der erste Eindruck ist und wie Sie es richtig pflegen.

Joshua Stark 05. August 20267 Min. Lesezeit

Für lokale Betriebe ist das Google-Unternehmensprofil oft wichtiger als die Website, weil es der erste Eindruck ist: Wer „Elektriker Heidelberg“ oder „Physiotherapie Mannheim“ sucht, sieht zuerst die Karte mit Profilen, Bewertungen, Öffnungszeiten und einem Anruf-Knopf. Viele Interessenten entscheiden dort, ob sie anrufen, und besuchen die Website gar nicht erst. Die Website bleibt wichtig, aber ein vernachlässigtes Profil kostet Sie Anfragen, bevor Ihre Website überhaupt eine Chance bekommt.

Das heißt nicht, dass Sie Ihre Website abschalten sollten. Es heißt, dass Sie beides zusammen denken sollten und dass das Profil in vielen Betrieben die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient, nämlich zu wenig.

Wo Ihre Kunden Sie zuerst sehen

Stellen Sie sich eine typische Suche vor. Eine Hausbesitzerin in Weinheim hat einen Wasserschaden und sucht auf dem Handy nach einem Installateur. Google zeigt ihr oben eine Karte mit drei Betrieben, darunter die Bewertungen, die Entfernung, ob gerade geöffnet ist, und einen Knopf zum Anrufen. Erst weiter unten kommen die Websites.

Sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen der Betriebe in der Karte anrufen. Welchen, entscheidet sie in wenigen Sekunden: nach Bewertungen, nach Fotos, danach, ob die Öffnungszeiten stimmen und ob der Betrieb überhaupt für ihr Problem zuständig scheint.

Ähnlich läuft es bei Praxen, Kanzleien mit Privatkunden, Werkstätten, Friseuren und fast allen Betrieben, deren Kunden aus der Umgebung kommen. Das Profil ist Ihr Schaufenster in der Suche, und viele Betriebe haben es seit der Einrichtung nicht mehr angefasst.

Was das Profil kann, was die Website nicht kann

Das Profil hat einige Eigenschaften, die eine Website nicht bieten kann:

  • Es erscheint direkt in der Suche und in Google Maps, ohne dass jemand einen Link anklicken muss.
  • Es zeigt Bewertungen von Kunden, die Google selbst sammelt. Diese gelten für viele Menschen als glaubwürdiger als Kundenstimmen auf der eigenen Website.
  • Es ermöglicht den direkten Anruf oder die Route mit einem Fingertipp.
  • Es zeigt, ob Sie gerade geöffnet haben, und das ist für viele Suchende die erste Frage.

Hinzu kommt, dass das Profil Ihre Website nicht braucht, um zu funktionieren. Auch Betriebe mit einer veralteten Website können über ein gepflegtes Profil Anrufe bekommen. Das ist kein Argument, die Website verkommen zu lassen, aber ein Grund, beim Profil anzufangen, wenn Ihre Zeit knapp ist. Die Pflege des Profils dauert Stunden, ein Website-Relaunch meist Wochen oder Monate.

Umgekehrt kann die Website Dinge, die das Profil nicht kann: ausführlich erklären, wie Sie arbeiten, Ihre Leistungen im Detail beschreiben, Fragen beantworten, Vertrauen über Referenzen und Hintergrund aufbauen und Bewerbungen einsammeln. Beides hat seinen Platz.

Wann die Website trotzdem den Ausschlag gibt

Nicht für jeden Betrieb ist das Profil der wichtigste Kanal. Die Website wiegt schwerer, wenn:

  • Ihre Kunden nicht aus der Nähe kommen, etwa bei B2B-Dienstleistern, die bundesweit arbeiten.
  • Ihre Leistung erklärungsbedürftig ist und Kunden sich vor dem Erstkontakt gründlich informieren, etwa bei größeren Sanierungen, Unternehmensberatung oder spezialisierten Kanzleien.
  • Sie über die Website Mitarbeitende gewinnen wollen. Bewerber schauen sich die Website genauer an als Kunden.
  • Sie hochpreisige Leistungen verkaufen, bei denen der Weg zur Entscheidung länger ist.

Auch in diesen Fällen schadet ein gepflegtes Profil nicht. Aber die Prioritäten verschieben sich. Wie Sie eine Website so aufbauen, dass sie Anfragen bringt, lesen Sie in Website-Texte, die Anfragen bringen.

Wie Google entscheidet, welche Profile es zeigt

Google nennt in seiner Hilfe für Unternehmensprofile drei Faktoren für die lokalen Ergebnisse: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Relevanz meint, wie gut Ihr Profil zur Suchanfrage passt. Entfernung ist die Distanz zum Suchenden oder zum gesuchten Ort. Bekanntheit ergibt sich unter anderem aus Bewertungen, Erwähnungen im Netz und Ihrer Website.

Auf die Entfernung haben Sie keinen Einfluss. Auf die beiden anderen Faktoren schon. Ein vollständiges, genaues Profil mit passenden Kategorien verbessert die Relevanz. Regelmäßige Bewertungen und eine gute Website tragen zur Bekanntheit bei. Eine Garantie für bestimmte Platzierungen gibt es nicht, und wer Ihnen eine verspricht, verspricht zu viel.

Was ein gutes Profil ausmacht

Die folgenden Punkte machen den Unterschied zwischen einem Profil, das nur existiert, und einem, das Anfragen bringt:

BereichWorauf es ankommt
HauptkategorieSo genau wie möglich, zum Beispiel „Elektroinstallateur“ statt „Handwerker“
Weitere KategorienNur die, die Ihre tatsächlichen Leistungen abdecken
LeistungenEinzeln aufgeführt, mit kurzer Beschreibung
BeschreibungWas Sie tun, für wen, in welcher Region, in ganzen Sätzen
ÖffnungszeitenAktuell, mit Sonderzeiten an Feiertagen und in Betriebsferien
FotosEchte Bilder von Team, Räumen, Fahrzeugen, Arbeiten, regelmäßig ergänzt
BewertungenKontinuierlich gesammelt und jede einzelne beantwortet
BeiträgeGelegentliche Neuigkeiten, Angebote oder Hinweise
EinzugsgebietBei Betrieben ohne Kundenverkehr am Standort: Gebiet statt Adresse
KontaktdatenIdentisch mit Website, Impressum und Verzeichnissen

Eine vollständige Liste zum Abhaken finden Sie in der Google-Unternehmensprofil-Checkliste.

Die häufigsten Fehler

In unserer Agenturarbeit für Betriebe in der Rhein-Neckar-Region sehen wir einige Fehler immer wieder:

  • Suchbegriffe im Firmennamen. „Mustermann Sanitär Heizung Notdienst Heidelberg günstig“ verstößt gegen die Richtlinien von Google, wenn der Betrieb nicht wirklich so heißt. Das kann zur Sperrung des Profils führen.
  • Die Privatadresse ist sichtbar. Handwerker, die von zu Hause aus arbeiten, können ihre Adresse ausblenden und stattdessen ein Einzugsgebiet angeben.
  • Veraltete Öffnungszeiten. Wer an einem Feiertag vor verschlossener Tür steht, schreibt selten eine freundliche Bewertung.
  • Unbeantwortete Bewertungen. Eine sachliche Antwort auf eine kritische Bewertung wird von späteren Lesern oft stärker wahrgenommen als die Kritik selbst.
  • Doppelte Profile. Nach einem Umzug oder Inhaberwechsel existieren manchmal zwei Profile. Das verwirrt Kunden und Google.
  • Gekaufte oder getauschte Bewertungen. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen die Richtlinien, sondern kann auch wettbewerbsrechtliche Folgen haben.

Wie Sie ohne Tricks regelmäßig echte Bewertungen bekommen, beschreiben wir im Artikel Mehr Google-Bewertungen mit System, ohne Betteln.

Profil und Website zusammendenken

Profil und Website arbeiten am besten zusammen. Das Profil sorgt dafür, dass Sie gefunden werden und einen guten ersten Eindruck machen. Die Website liefert die Tiefe, wenn jemand mehr wissen will.

Drei Dinge verbinden beides:

  1. Einheitliche Angaben. Name, Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten sind überall gleich, auf Profil, Website, Impressum und in Branchenverzeichnissen.
  2. Ein sinnvoller Link. Verlinken Sie im Profil die Seite, die für Suchende aus der Region am hilfreichsten ist. Das kann die Startseite sein oder eine Seite speziell für Ihren Standort.
  3. Gleiche Sprache. Wenn Ihr Profil „Komplettbad vom Meister“ verspricht und die Website von „Sanitärinstallation“ spricht, wirkt das uneinheitlich. Nutzen Sie die Begriffe, die Ihre Kunden verwenden.

Wer das Profil im Betrieb pflegen sollte

Ein Profil, das nur der Inhaber bearbeiten kann, wird selten aktuell gehalten. Google erlaubt es, weitere Personen als Verwalter hinzuzufügen. Nutzen Sie das und übertragen Sie die laufende Pflege an eine Person im Team, die ohnehin mit Kunden zu tun hat, etwa die Bürokraft oder die Praxisleitung.

Legen Sie gemeinsam fest, welche Aufgaben dazugehören: Öffnungszeiten vor Feiertagen anpassen, neue Fotos hochladen, Bewertungen zeitnah beantworten. Bei kritischen Bewertungen sollte die Antwort mit Ihnen abgestimmt sein. Die Inhaberrechte behalten Sie selbst, damit Sie jederzeit Zugriff haben, auch wenn jemand den Betrieb verlässt.

So gehen Sie in dieser Woche vor

Sie brauchen für die Grundpflege keine Agentur. Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und gehen Sie so vor:

  1. Melden Sie sich im Profil an und prüfen Sie, ob Sie Inhaber oder nur Verwalter sind. Manchmal hat eine frühere Agentur die Inhaberrechte.
  2. Prüfen Sie Kategorien, Leistungen, Beschreibung und Öffnungszeiten.
  3. Laden Sie fünf bis zehn aktuelle, echte Fotos hoch.
  4. Beantworten Sie alle offenen Bewertungen.
  5. Legen Sie einen festen Termin im Monat fest, an dem Sie oder jemand aus dem Team das Profil kurz durchsieht.

Ihr Google-Profil arbeitet jeden Tag für Sie, auch wenn Sie nicht hinschauen. Die Frage ist nur, ob es für Sie oder gegen Sie arbeitet.

Wenn Sie wissen möchten, ob Sichtbarkeit in Ihrem Betrieb überhaupt der Engpass ist oder ob es an einer anderen Stelle hakt, hilft der kostenlose Engpass-Check. Weitere Wege, wie lokale Betriebe neue Kunden gewinnen, finden Sie in Neue Kunden finden: 12 Wege für lokale Betriebe.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

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