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Freiberufler finden: Plattformen und Auswahl

Die richtige Plattform ist weniger wichtig als eine gute Vorbereitung. Wie Sie Aufgaben beschreiben, Freiberufler auswählen und die Zusammenarbeit rechtlich sauber aufsetzen.

Joshua Stark 15. September 20267 Min. Lesezeit

Freiberufler finden Sie über drei Arten von Quellen: über Empfehlungen und lokale Netzwerke, über spezialisierte Projektplattformen wie freelancermap, Malt oder twago für anspruchsvollere und längere Aufgaben, und über Marktplätze wie Upwork oder Fiverr für klar umrissene, kleinere Aufträge. Entscheidend ist dabei weniger die Plattform als die Vorbereitung: eine klare Beschreibung der Aufgabe, ein kleiner bezahlter Testauftrag und saubere Rahmenbedingungen bei Vertrag, Datenschutz und der Frage der Scheinselbstständigkeit.

Wann ein Freiberufler die richtige Wahl ist

Freiberufler sind keine Notlösung für fehlendes Personal, sondern ein eigenes Werkzeug. Sie passen besonders gut, wenn eine dieser Bedingungen zutrifft:

  • Spezialwissen wird gebraucht, aber nicht dauerhaft. Ein Website-Relaunch, die Einrichtung einer neuen Software, eine Bildreihe für die Karriereseite.
  • Der Bedarf schwankt. Texte für den Newsletter, Grafiken für Angebote, Unterstützung bei Ausschreibungsunterlagen in arbeitsreichen Phasen.
  • Ein Projekt hat einen klaren Anfang und ein klares Ende. Etwa die Digitalisierung eines Ablaufs oder die Erstellung technischer Dokumentation.
  • Der Inhaber will sich entlasten, ohne sofort eine Stelle zu schaffen.

Weniger geeignet sind Freiberufler für Aufgaben, die dauerhaft im Kern des Betriebs liegen und nach Ihren Weisungen im Tagesablauf erledigt werden müssen. Dort droht nicht nur ein organisatorisches, sondern auch ein rechtliches Problem, dazu weiter unten mehr.

Schritt 1: Die Aufgabe klar beschreiben

Die meisten enttäuschenden Erfahrungen mit Freiberuflern beginnen mit einer unklaren Aufgabe. „Wir brauchen jemanden für Social Media“ lässt zu viel offen. Eine gute Aufgabenbeschreibung beantwortet diese Fragen:

  • Ziel: Was soll am Ende erreicht sein?
  • Ergebnis: Was genau wird geliefert, in welcher Form?
  • Umfang: Wie viel Arbeit erwarten Sie ungefähr, einmalig oder regelmäßig?
  • Zeitrahmen: Bis wann, mit welchen Zwischenschritten?
  • Vorhandenes: Was gibt es schon, etwa Logo, Texte, Zugänge, frühere Versuche?
  • Ansprechperson: Wer im Betrieb beantwortet Fragen und gibt Ergebnisse frei?
  • Budgetrahmen: Was darf es ungefähr kosten?

Ein Beispiel: Ein Sanitärbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden möchte, dass seine Leistungsseiten überarbeitet werden. Statt „Texte für die Website“ schreibt er: „Überarbeitung von sechs Leistungsseiten für Privatkunden in der Region Heidelberg. Ziel: mehr Anfragen über das Formular. Vorhanden sind die bisherigen Texte, Fotos von Projekten und eine Liste häufiger Kundenfragen. Ergebnis: sechs Texte im Word-Format, eine Korrekturschleife. Ansprechpartner ist der Inhaber.“ Diese Beschreibung ist in zehn Minuten geschrieben und spart Stunden an Missverständnissen.

Schritt 2: Die passende Quelle wählen

Welche Quelle sich eignet, hängt von der Art der Aufgabe ab. Eine Orientierung:

QuelleEignet sich fürWorauf Sie achten sollten
Empfehlungen, Unternehmerstammtische, Kammern, Verbände, Coworking-Spaces in der RegionAufgaben, bei denen Vertrauen und persönliche Nähe wichtig sindEmpfehlungen sagen etwas über Zuverlässigkeit, nicht immer über Eignung für Ihre Aufgabe
freelancermapIT, Softwareentwicklung, digitale Projekte, deutschsprachiger MarktProjekte ausschreiben oder Profile gezielt durchsuchen
MaltMarketing, Design, Text, Beratung, IT in EuropaProfile mit Arbeitsproben und Bewertungen vergleichen
twagoProjekte, die Sie ausschreiben und für die Sie Angebote einholen möchtenAngebote nicht nur nach Preis, sondern nach Verständnis der Aufgabe prüfen
Upworkgroße internationale Auswahl, auch für SpezialthemenSprache, Zeitzonen, Datenschutz und steuerliche Fragen bei Auftragnehmern im Ausland
Fiverrklar definierte kleine Leistungspakete, etwa Grafiken oder ÜbersetzungenQualität schwankt stark, für Kernaufgaben selten die erste Wahl
Berufliche Netzwerke wie LinkedIn oder XINGgezielte Suche nach Profilen mit bestimmter ErfahrungDirekte Ansprache kostet Zeit, liefert aber oft passende Kontakte

Plattformen finanzieren sich über Gebühren, die je nach Anbieter beim Auftraggeber, beim Freiberufler oder bei beiden anfallen. Die Konditionen ändern sich gelegentlich. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen, bevor Sie sich festlegen.

Für viele kleine Betriebe hat sich eine einfache Reihenfolge bewährt: zuerst im eigenen Umfeld fragen, dann eine spezialisierte Plattform nutzen, und internationale Marktplätze vor allem für klar abgegrenzte, kleinere Aufgaben einsetzen.

Schritt 3: Profile richtig lesen

Profile und Bewertungen sind hilfreich, aber sie brauchen einen genauen Blick:

  • Arbeitsproben: Passen sie zu Ihrer Aufgabe? Ein Designer mit beeindruckenden Arbeiten für Modemarken ist nicht automatisch der Richtige für das Angebotsdesign eines Elektrobetriebs.
  • Bewertungen: Lesen Sie den Text, nicht nur die Sterne. Wofür wird gelobt, was wird kritisiert, und ähneln die Auftraggeber Ihrem Betrieb?
  • Erste Nachricht: Wie antwortet die Person auf Ihre Anfrage? Stellt sie Rückfragen, die zeigen, dass sie die Aufgabe verstanden hat? Eine Standardantwort mit Preis und ohne Fragen ist ein Warnsignal.
  • Verfügbarkeit: Hat die Person tatsächlich Zeit für Ihr Projekt, oder wird es neben vielen anderen erledigt?

Schritt 4: Ein Gespräch und ein bezahlter Testauftrag

Führen Sie mit zwei oder drei Kandidaten ein kurzes Videogespräch. Dabei geht es weniger um Fachwissen, das Sie ohnehin schwer prüfen können, als um die Zusammenarbeit: Versteht die Person, was Ihr Betrieb macht? Stellt sie sinnvolle Fragen? Ist die Kommunikation klar?

Einige Fragen, die sich in solchen Gesprächen bewährt haben:

  • Wie würden Sie an diese Aufgabe herangehen, und was brauchen Sie dafür von uns?
  • Welches ähnliche Projekt haben Sie zuletzt umgesetzt, und was würden Sie heute anders machen?
  • Wie erreichen wir Sie, und wie schnell antworten Sie in der Regel?
  • Was passiert, wenn Sie krank werden oder ein anderes Projekt dringender wird?

Die letzte Frage ist unbequem, aber wichtig. Freiberufler arbeiten oft allein. Wer darauf eine durchdachte Antwort hat, etwa einen Kollegen als Vertretung, zeigt, dass er Verantwortung ernst nimmt.

Danach vergeben Sie einen kleinen, bezahlten Testauftrag, etwa einen einzelnen Text statt sechs, eine Grafik statt eines kompletten Auftritts. Bezahlen Sie diesen Auftrag fair, auch wenn das Ergebnis nicht überzeugt. Unbezahlte Probearbeiten schrecken gute Freiberufler ab, und die übrigen liefern selten das, was Sie suchen.

Schritt 5: Die Rahmenbedingungen klären

Bevor die eigentliche Zusammenarbeit beginnt, sollten einige Punkte schriftlich geregelt sein. Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

  • Vertrag: Leistung, Vergütung, Termine, Abnahme, Korrekturschleifen, Kündigung.
  • Nutzungsrechte: Wer darf Texte, Bilder, Software oder Konzepte wie nutzen? Ohne klare Regelung kann es später Streit geben, etwa wenn Sie Grafiken weiterverwenden möchten.
  • Vertraulichkeit: Wenn der Freiberufler Einblick in Kundendaten, Kalkulationen oder interne Abläufe bekommt.
  • Datenschutz: Verarbeitet der Freiberufler in Ihrem Auftrag personenbezogene Daten, etwa Kundenlisten oder Bewerbungen, brauchen Sie in der Regel einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach DSGVO. Bei Auftragnehmern außerhalb der EU gelten zusätzliche Anforderungen.
  • Scheinselbstständigkeit: Arbeitet jemand dauerhaft nach Ihren Weisungen, in Ihren Abläufen und überwiegend für Ihren Betrieb, kann das rechtlich als Beschäftigungsverhältnis gewertet werden, mit Folgen für Sozialversicherungsbeiträge. Bei Unsicherheit gibt es das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung.
  • Steuern: Bei Leistungen von Freiberuflern aus dem Ausland gelten besondere umsatzsteuerliche Regeln. Klären Sie das vorab mit Ihrer Steuerberatung.

Lassen Sie Ihre Vertragsvorlage einmal anwaltlich prüfen. Danach können Sie sie für viele Aufträge verwenden.

Schritt 6: Die Zusammenarbeit gut führen

Ein guter Freiberufler braucht ähnliches wie ein neuer Mitarbeiter, nur kompakter:

  • Einarbeitung: Eine kurze Einführung in Ihren Betrieb, Ihre Kunden und Ihre Sprache.
  • Eigene Zugänge: Richten Sie für Freiberufler eigene Benutzerkonten ein, statt Passwörter zu teilen. So können Sie Zugriffe nach Projektende sauber entziehen.
  • Feste Abstimmungen: Ein kurzer, regelmäßiger Termin verhindert, dass Arbeit in die falsche Richtung läuft.
  • Klare Rückmeldungen: Sagen Sie konkret, was passt und was nicht. „Gefällt mir nicht so“ hilft niemandem.
  • Abnahme: Prüfen Sie das Ergebnis gegen die Aufgabenbeschreibung aus Schritt eins.

Wer einmal einen guten Freiberufler gefunden hat, sollte die Beziehung pflegen. Ein verlässlicher Partner, der Ihren Betrieb kennt, ist mehr wert als jede Plattform.

Typische Fehler

  • Die Aufgabe erst während der Arbeit klären.
  • Nur nach dem günstigsten Angebot entscheiden.
  • Keine Ansprechperson im Betrieb festlegen, sodass Fragen tagelang unbeantwortet bleiben.
  • Ergebnisse ohne Prüfung übernehmen.
  • Freiberufler wie Angestellte einsetzen, ohne die rechtlichen Folgen zu bedenken.

Rechnet sich das?

Ob sich ein Freiberufler lohnt, hängt nicht nur von seinem Honorar ab, sondern auch davon, was Ihre eigene Zeit wert ist. Wenn ein Inhaber drei Abende an einem Website-Text sitzt, den ein Profi in einem Bruchteil der Zeit besser schreibt, ist das selten die günstigere Lösung. Mit dem Delegations-Rechner können Sie das für Ihre eigenen Aufgaben durchrechnen. Warum diese Rechnung so wichtig ist, beschreibt Delegieren lernen: die Rechnung, die jeder Inhaber machen sollte.

Für Aufgaben, die dauerhaft anfallen und eng mit Ihrem Betrieb verbunden sind, bleibt eine feste Stelle oft die bessere Wahl. Wie Sie dafür auch in einem schwierigen Markt gute Leute finden, steht in Gute Leute finden, wenn der Markt leer ist.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

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